Hart am Wind

Wegen Corona strandete der Schweizer Profisegler Christian «Blumi» Scherrer in der Heimat. Zum Glück. Sonst hätte der Züricher Vollblutsegler womöglich die Geburt seiner zweiten Tochter Margo verpasst.

Wer als Schweizer im internationalen Segelsport etwas erreichen will, der muss nicht nur Optimist sein, sondern quasi mit der Muttermilch im Optimisten sitzen, jenem wasserdichten Ein-Mann-Schuhkarton mit Segel. 2,3 Meter kurz ist die Mini-Jolle, die Fläche des einzigen Segels entspricht in etwa der Grösse eines normalen Doppelbetts. Kein Schweizer Spielzeug für die Binnenseen, sondern internationaler Standard. Jeder fängt mal klein an», erinnert sich Christian «Blumi» Scherrer an seine ersten Abenteuer mit dem Optimist in den 70er-Jahren am Bodensee. «Mich hat das Segeln sofort gepackt», so Scherrer. «Ich fand es faszinierend, dass man auf dem Wasser und ohne Motor lautlos und doch so zügig unterwegs sein konnte.»

Aus zügig wurde schnell, aus 2,3 Metern Länge wurden 26 Meter, die Segelfläche vervielfachte sich auf 320 Quadratmeter und der Mast ragte 33 Meter (das entspricht locker einem elfstöckigen Mehrfamilienhaus) in die Höhe. Logisch: Profisegler «Blumi» sass 2003 vor Neuseeland nicht mehr allein am Ruder eines Optimisten, sondern war als Trimmer Teil einer 16-köpfigen internationalen Crew, die mit dem Schweizer Team Alinghi von Ernesto Bertarelli den legendären America’s Cup gewann – und erstmals nach Europa holte! Quasi über Nacht rückte die Schweiz ans Meer, die Skination mutierte zur Segelnation. «Vor dem Erfolg von Alinghi dachte man in der Schweiz, beim Segeln gehe es nur darum, von einem Restaurant zum anderen zu fahren», beobachtete der deutsche Alinghi-Sportdirektor Jochen Schümann.

Als Alinghi vier Jahre später den Titel vor Valencia verteidigte, war Scherrer mit dem italienischen Team +39 zwar bereits ausgeschieden, aber als Co-Kommentator von Fernsehlegende Beni Thurnheer machte sich der gebürtige Winterthurer national einen Namen. Dank Scherrers Fachwissen und Eloquenz sass die ganze Schweiz in jenem Sommer via TV mittendrin statt nur dabei.

Sportliches Doppel Christian «Blumi» und sein Volvo V90 Cross Country am St. Moritzersee. © Ruben Sprich

Eine Rückkehr in den America’s Cup war für Scherrer trotzdem kein Thema mehr. «Das war Spitzensport», blickt er zwar ohne jegliche Reue zurück, «aber irgendwann wars gut. Ich fühle mich zwar noch immer fit, aber das harte Training im America’s Cup hat Spuren hinterlassen. Und ich werde ja auch nicht jünger.»

Mit seinem Diplom in Sport und Management der Zürcher Hochschule in Winterthur in der Tasche, widmete er sich von Valencia aus verschiedensten neuen Projekten, engagierte sich als Event- und Regatten-Organisator (St. Moritz Match Race, Volvo Match Race Cup, GC32 Racing Tour), entwickelte gemeinsam mit Businesspartner und Jachtdesigner Christian Bolinger eine neue Bootsklasse (bluboats.com), heuerte auf Superjachten an und sammelte weitere Titel und Erfahrungen. «Wer wie Scherrer aus dem America’s-Cup-Zirkus kommt, kennt natürlich die grossen Player in der Szene», schreibt das Fachmagazin «Wave». «Zwar suchen sich die Engländer, Kiwis und Amerikaner meistens Landsleute für ihre Teams aus, doch Christian ist so etwas wie ein Joker – dank seiner immensen Erfahrung und seinen Sprachkenntnissen passt er in fast jede Crew.»

«Ich habe nicht nur auf einem Optimisten segeln gelernt, sondern ich bin einer. Darum bin ich überzeugt, dass wir auch diese Krise gestärkt bewältigen.»

Christian Scherrer

Das bestätigt auch ein Blick in Scherrers Frühlingsagenda 2020: ab 6. März Super Yacht Challenge Antigua, vom 19. bis 22. März St Barths Bucket, und bis 29. März stand der Start der GC32 Racing Tour in Oman (Muscat) auf dem Programm. Theoretisch. Doch auch die internationale Segelszene hatte von Corona Wind bekommen und alle Termine wurden abgesagt. «Zum Glück», lacht Scherrer heute. «Denn anstatt wie geplant im April kam meine zweite Tochter Margo bereits am 28. März zur Welt.» Nachdem St Barths geschlossen worden war, schaffte es der routinierte Vielflieger dank viel Glück und Beharrlichkeit von Antigua via Barbados und London rechtzeitig nach Zürich, um bei der Geburt dabei zu sein.

Ohnehin hat der berufsmässige «Vagabund», der 2011 die argentinische Kaderseglerin Moira Gonzalez Smith geheiratet hat und ein Jahr später mit ihr in die Schweiz gezogen ist, die Corona-Zeit nicht nur negativ erlebt. «Ich hatte so extrem viel Zeit für meine Frau und die beiden Töchter und habe das richtig genossen», so Scherrer. «Aber auch die Ruhe am Smartphone und die allgemeine Entschleunigung.» Und die Flaute bei den Engagements? «Die natürlich nicht, denn ich lebe ja vom Segeln, von der Organisation von Regatten wie der internationalen Foilklasse GC32 oder meinen Auftritten als Key Note Speaker oder Kommentator. Und als Familienvater braucht man schon eine gewisse Sicherheit.»

Manager Scherrer hat Sport und Management studiert.

Kein Zufall also, dass Christian Scherrer bereits seit über zehn Jahren als Ambassador – oder moderner «Friend of the Brand» – für und mit Volvo unterwegs ist. «Auch das war Liebe auf den ersten Blick», lacht Scherrer. «Und das ist keine plumpe PR-Aussage, sondern Tatsache. Ich bin wirklich ein begeisterter Volvo-Fahrer, zumal die Marke nicht nur technisch vieles verkörpert, was für mich wichtig ist, sondern viel Strahlkraft als moderner, nachhaltiger und sympathischer Brand entwickelt.» Gerade in den Corona-Zeiten und mit der vierköpfigen Familie hat Scherrer den Platz und die Alltagstauglichkeit des luxuriösen Volvo V90 Cross Country speziell zu schätzen gewusst. «Zwei Erwachsene, zwei Kinder und mein Segelzeugs für eine Woche in St. Moritz passten locker in den Kombi. Und der Fahrspass beginnt schon beim Design.»

Und was bringt die Zukunft für den – wortwörtlich – mit allen Wassern gewaschenen Allrounder? «Ich habe nicht nur auf einem Optimisten segeln gelernt, sondern ich bin einer», lacht Christian Scherrer. «Darum bin ich überzeugt, dass wir auch diese Krise gestärkt bewältigen.»

Christian Scherrer

Alter

50

Grösse

180 cm

Zivilstand

verheiratet, zwei Töchter Antonia und Margo

Wohnort

Uerikon ZH

Beruf

KV, Segelmacher, Profisegler, Event-Organisator, Key Note Speaker

Ausbildung

Segelmacher bei Northsails in UK, Studium Sport und Management, Zürcher Hochschule Winterthur

Segelwettkämpfe

rund 280, darunter Whitbread Round the World Race (Volvo Ocean Race) mit Pierre Fehlmann, viermal America’s Cup, unzählige Offshore Rennen wie Transatlantic, Fastnet Race, Middle Sea Race, Match Race und Grand-Prix-Regatten

Die wichtigsten Erfolge

America‘s Cup mit Alinghi 2003, ISAF World Champion Match Racing 2005/6, ISAF Vice World Champion Match Racing (2008), zweifacher Sieger Copa del Rey – Real Club Nautico Palma (2007+2008), zweifacher Sieger Quebec – St. Malo Transatlanic (1992 + 1996), 2nd Place Whitbread Round the World Race (1993/94)

Key Note Speaker

gegen 80 Auftritte zum Thema Teamwork, Leadership, Winning Team